Haltungsschäden bei Kindern vorbeugen

Haltungsschäden werden laut Statistiken immer mehr. Ich weiß allerdings nicht genau, welche Kriterien herangezogen werden und wo die Grenze zur Norm festgelegt wird. Jeder Körper ist anders, jede Wirbelsäulenform ist individuell, kein Mensch ist symmetrisch und Abweichungen vom Normbild haben auch nichts mit der Entstehung von Beschwerden zu tun. Schmerzentstehung ist ein sehr komplexes Thema und wird selten von einem Faktor ausgelöst.  Wann sollte man nun etwas tun?

Individueller Körperbau oder Fehlhaltung

Man muss immer versuchen, zwischen dem individuellen Körperbau und einer pathologischen Fehlhaltung zu unterscheiden. Hier sollten Eltern einmal ihren eigenen Körperbau oder den der Großeltern anschauen und mit ihrem Kind vergleichen. Sehr häufig ist die Ausprägung der physiologischen Wirbelsäulenkrümmungen ident, oder auch die Fußform. Das bedarf nicht unbedingt einer Therapie, bei Unsicherheit empfehle ich einen Termin beim Physiotherapeuten oder Kinderorthopäden zu machen. Hier bekommst du Antworten auf deine Fragen.
Vor allem sollte bei Skoliosen, einer seitlichen Verkrümmung der Wirbelsäule, ein Kinderorthopäde aufgesucht werden und bei Bedarf Schroth-Therapie gemacht werden.

Wachstum beachten

Das Knochenwachstum ist um einiges schneller als das Muskelwachstum, daher haben Kinder in bzw nach Wachstumsschüben oft Schwierigkeiten, ihren Körper zu koordinieren oder sind in der Beweglichkeit eingeschränkt. Außerdem wachsen wir nicht ganz symmetrisch, dh es kann schon mal ein Bein etwas mehr anschieben und das andere kurze Zeit später.
Im Kleinkindalter ist es auch ganz physiologisch, erst O-Beine zu haben und dann X-Beine. Das ist die normale Entwicklung der Beinachse und gar nicht bedenklich. Auch ein vermehrtes Hohlkreuz ist am Beginn des Kindergartenalters normal.
Eine Bitte am Rande, lass deinem Kind frühestens mit 7 Jahren Schuheinlagen anpassen und dann am besten auch podologische Einlagen.

Haltungsschwäche

Wenn sich Kinder (oder auch genauso Erwachsene) in ihrem Alltag zu wenig bewegen und auch keinen Sport machen, schwächen die Muskeln einfach ab. Unser Körper funktioniert nach dem Prinzip „use it, or loose it“.
Um dieser Muskelschwäche vorzubeugen, sollten sich Kinder viel bewegen. Wichtig ist, dass die Bewegungen vielfältig sind. So wie Kinder es im normalen, aktiven Spiel auch machen. Wir Erwachsene bewegen uns im Vergleich dazu sehr einseitig.

Hat ein Kind eine Haltungsschwäche, kann sich dies in einem Rundrücken zeigen, aber auch X-Beine oder Plattfüße können dies zum Ausdruck bringen. Eine Schwäche kann allerdings auch ohne sichtbare Fehlstellungen vorhanden sein, und dein Kind zeigt zB Unwilligkeit beim Hausübung machen, weil die Sitzhaltung schon anstrengend ist, und die zusätzliche Konzentration dein Kind überfordert. Auch eine eingeschränkte Feinmotorik kann auf Haltungsschwäche hindeuten. Wenn du diesen Verdacht hast, empfehle ich dir, es ergotherapeutisch abklären zu lassen.

Mein Kind sitzt viel (in schlechter Haltung) und ich habe Angst, dass es Schäden bekommt, was soll ich tun?

Um eine Sorge gleich vorweg zu nehmen, es gibt keine schlechte oder gute Sitzhaltung. Jede Haltung, die zu lange andauert ist für unseren Körper nicht gut.
Als Mutter oder Vater solltest du immer im Auge haben, wie lange dein Kind schon sitzt und es mit Bewegungspausen unterbrechen. Die WHO empfiehlt, dass sich Kinder und Jugendliche nach mind. 60min sitzen, wieder bewegen sollen. Ich würde die Zeit, je nach Alter,  kürzen.
Hausübung machen kann man auch aktiv gestalten, indem man das Kind öfters auffordert, die Sitzposition zu wechseln oder zB Leseübungen in Bauchlage am Boden zu machen, kurze Rechenaufgaben im stehen durchzuführen oder Gedichte im Einbeinstand aufzusagen. Ein Sitzball sorgt auch für Abwechslung. Es gibt auch viele Lieder, wo die Kinder in Bewegung mit Singen, lernen können.

Motiviere dein Kind zu Bewegung und Sport, mache gemeinsame Ausflüge und lebe Aktivität vor! Achte dabei auf altersgerechte Aktivitäten, denn der Spaß daran ist am wichtigsten. Unten findest du noch ein paar interessante Links.

Ein Video zum Fußgewölbeaufbau für Kinder findest du auf meinem Youtube-Kanal!

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2 Antworten auf „Haltungsschäden bei Kindern vorbeugen“

  1. Interessant, dass das Knochenwachstum schneller als Muskelwachstum ist und es so zu Problemen kommen kann. Wir informieren uns gerade zu Orthopädietechnik, da unsere Tochter merkwürdig zu gehen scheint. Sie ist nun sieben, wir werden uns mal beraten lassen.

    1. Am besten von einem Kinderorthopäden oder Kinderphysiotherapeuten anschauen lassen. Manches ist eben nur vorübergehend, weil sie sich nach Wachstumsschub erst neu ausrichten müssen. Aber es ist auch wichtig, nichts zu übersehen. Alles Gute!

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