Gynäkologische Physiotherapie – was ist das?

Beckenbodentraining, Rückbildung, Geburtsvorbereitung als Teilbereich in der Physiotherapie ist vielen schon bekannt. Aber was ist, wenn ich Beckenschmerzen habe, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, starke Regelschmerzen oder andere Menstruationsprobleme habe? Ist dann auch eine Physiotherapeutin die richtige Ansprechperson? – Ja, ist sie, wenn sie sich auf diesen Bereich spezialisiert hat.

Im heutigen Beitrag möchte ich euch einen Einblick geben, wie wir in der gynäkologischen Physiotherapie arbeiten und was wir bewirken können. Viele Patientinnen die bei mir anrufen, sind verunsichert, weil sie nicht wissen ob sie bei mir richtig sind bzw. wie wir in der Physiotherapie in diesem Bereich arbeiten. Um einen kleinen Einblick zu bekommen, starten wir mit einem Fallbeispiel:

Fallbeispiel

Ca. 30jährige Patientin, seit 5 Jahren Schmerzen beim Sex, war schon bei 3 Gynäkologen, Biopsie des Scheidengewebes, diverse Cremen und Gels verwendet, schlussendlich bei einer betäubenden Creme hängengeblieben, da so Intimitäten zumindest möglich waren.
Auslöser vor 5 Jahren war eine Pilzinfektion, die vollkommen ausgeheilt ist.
Nach dem Anamnesegespräch habe ich sie physiotherapeutisch vaginal untersucht. Ihr Beckenboden hatte sehr viel Spannung und ihre Beckenfaszie hängte an einigen Stellen. Sie gab auch beim Gleiten der Faszie ihren bekannten Schmerz an. Im dauernden Austausch mit der Patientin löste ich Spannungen in der Beckenbodenmuskulatur und machte die Faszie wieder etwas gleitfähiger.
Schon beim zweiten Termin waren die Schmerzen um 90% besser, sie brauchte keine betäubende Creme mehr und wirkte gesamt sehr gelöst. Wir arbeiteten wieder an Beckenboden und Faszie und sie bekam ein paar Übungen. Nach der dritten Behandlung konnten wir die Therapie beenden. Sie macht selbstständig Entspannungsübungen für den Beckenboden und sollten wieder Beschwerden kommen, meldet sie sich.

Natürlich kann man nicht jeder Frau so schnell helfen, aber dieses Beispiel hat mir wieder vor Augen geführt, wie wichtig es ist, dass wir Therapeutinnen aufklären, sowohl Patientinnen als auch Ärzt:innen! Wäre unser Tun bekannter, hätte sich diese Patientin einige Jahre Leid erspart. Also liebe Leute, erzählt davon! 😀

Was kann noch alles behandelt werden?

Schmerzen: ob beim Sex, beim Stuhl- oder Harn absetzen, Vaginismus, Schmerzen im Becken, in der Lendenwirbelsäule, während oder vor der Menstruation, beim Eisprung… alles kann mit Spannungen im Becken, Beckenboden und den Organen im Zusammenhang stehen, die physiotherapeutisch gelöst werden können. Gibt es richtige Verwachsungen, können wir diese zwar nicht lösen, aber wir können die Beweglichkeit des umliegenden Gewebes verbessern, so dass die Beschwerden gelindert werden.

Schwangerschaftsbegleitung: Ischias- und Leistenschmerz, Symphysenlockerung, Wassereinlagerungen… können mit passiven und aktiven Therapiemaßnahmen gelindert werden.
Auch Spannungen im Beckenboden zu lösen, ist vor der Geburt hilfreich, um ein Tiefersinken des Babys zu erleichtern und Geburtsverletzungen vorzubeugen.

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Zyklus: Unregelmäßigkeiten, zu starke oder schwache Blutungen… können möglicherweise mit viszeralen Techniken verbessert werden. Ganz genaue Infos über den Zyklus und Hilfe findest du hier.

Inkontinenz: Ob Belastungs- oder Dranginkontinenz, Stuhl- oder Harninkontinenz, Physiotherapie kann helfen. Warte nicht zu lange, sondern beginne bei den ersten Anzeichen damit! Je länger die Problematik besteht, umso schwieriger und langwieriger ist die Behandlung. In diesem Video erkläre ich den Unterschied zwischen Belastungs- und Dranginkontinenz.

Senkung: Ob nach der Geburt oder erst in den Wechseljahren, Senkungen treten sehr häufig auf. Nicht immer machen sie Probleme, aber es ist gut schon bevor Beschwerden entstehen, Maßnahmen gegen die Senkung zu setzen.

Es gibt noch viele andere Bereiche. Mehr Infos könnt ihr noch auf der Seite der Beckenbodengesellschaft Österreich nachlesen.

In diesem Video erzähle ich auch über den Fachbereich der Gynäkologie in der Physiotherapie.

Teilt gerne eure Erfahrungen mit anderen Frauen, auch hier in den Kommentaren oder gerne unter meinem Beitrag auf meiner Facebookseite!

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